Christlich fundierte Heilkunde – 2

16. April 2011   •   Kommentare deaktiviert für Christlich fundierte Heilkunde – 2   

Das Profil einer christlich fundierten Heilkunde zeigt die enorme Bedeutung des Zusammenwirkens der unterschiedlichen Professionen und Begabungen im Team auf. Grundsätzlich sind diese gleichwertig: Der Dienst des Chirurgen im OP ist nicht „bedeutsamer“ als der des Seelsorgers am Krankenbett, das Engagement des Beters im gemeindlichen Heilungsdienst nicht „wertvoller“ als das der Altenpflegerin im ambulanten Pflegedienst, die psychotherapeutische Behandlung nicht „wichtiger“ als die intensive Fürbitte im Hintergrund.

Jeder Einsatz im Sinne der Christlichen Heilkunde ist originär und sollte mit ganzem fachlichem Können und Hingabe erfolgen.

Christlich fundierte Heilkunde - 2Die Spezifität einer christlich fundierten Heilkunde begründet sich in der Gottesbeziehung, wie sie uns durch Jesus Christus ermöglicht wird. Diese prägt die innere Haltung des Mitarbeiters und damit die Art der Zuwendung zum Kranken. Patienten bekommen dadurch die Möglichkeit, Gottes Segen in besonderer Weise erfahren zu können – nicht nur in einer durch geistliche Begleitung vermittelten „Gotteserfahrung“, sondern auch in der „Fremderfahrung“ einer Operation oder der „Selbsterfahrung“ einer Psychotherapie.

Darüber hinaus sind in der Geschichte der Kirche „spezifische Elemente“ einer christlich fundierten Heilkunde entstanden, die meist im Kontext christlicher Gemeinden und Gemeinschaften erfahrbar werden. Sie bedürfen gesonderter Beachtung und Entfaltung in einer christlichen Heilkunde. Nebenstehend werden die einzelnen Elemente kurz benannt, wobei ihre Aufzählung und beispielhafte Erläuterung keineswegs Vollständigkeit beansprucht, sondern einen Einblick in ihre Vielfalt ermöglichen möchte.

Die stärkere Einbeziehung der christlichen Gemeinden und Gemeinschaften in Gesundheitsdienste ist von großer Bedeutung, damit Glaube und Medizin zum Wohle des erkrankten Menschen wieder zusammenfinden. Sicher braucht es noch weitere Reflexionen, Schulungen und modellhafte Erfahrensräume, um mit den beschriebenen Elementen heilender Dienste vertrauter zu werden.

Damit die Vision einer christlich fundierten Heilkunde mehr und mehr erfahrbar wird, brauchen wir Mitarbeiter sowohl aus Gesundheitswesen wie aus Gemeinden, die – aufbauend auf den Errungenschaften moderner Medizin und dem kirchlichen Glaubens- und Erfahrungsreichtum –neue Formen des Zusammenwirkens in die heutige Gesellschaft einbringen. Dabei wird Pioniergeist wichtig sein, wie ihn Christen im Aufbau diakonischer und karitativer Einrichtungen durch die Jahrhunderte immer wieder gezeigt haben – und letztlich das feste Vertrauen, dass Gott zu jeder Zeit Menschen ruft, in die aktuelle gesellschaftliche Situation hinein im Geist Jesu Christi heilend tätig zu sein. So bleibt die Einladung an uns persönlich, (neu) auf die Entdeckungsreise einer christlich fundierten Heilkunde zu gehen. Sie ist nicht nur ein Angebot besonderer Hilfe für kranke Menschen, sondern genauso auch für uns als Mitarbeitende in Gesundheitsberufen und Gemeinden.

Zusammenfassung:
Christliche Heilkunde befasst sich mit den Wechselwirkungen zwischen körperlicher, psychischer, sozialer und spiritueller Dimension des Menschen und ermöglicht auf dem Boden des christlichen Menschenbildes umfassende Beschwerdelinderung und ganzheitliche Heilungsprozesse. Sie versteht sich als Spiritu-Psychosomatik nach dem christlichen Menschenbild.

Körperliche Behandlungen, psychosoziale Hilfen und geistliche Heilungsprozesse wirken in einer christlich fundierten Heilkunde zusammen. Dies geschieht in einer Atmosphäre der Glaubwürdigkeit, Annahme und Wertschätzung, Sensibilität und Freiheit.

Eine christlich fundierte Heilkunde betont die Arbeit im Team mit der nur so möglichen Vielfalt an Professionen und Begabungen, die sich gegenseitig ergänzen. Sie fördert das enge Zusammenwirken von Christen professioneller Gesundheitsberufe mit Mitarbeitern christlicher Gemeinden. Hierbei können Kirchengemeinden und geistliche Gemeinschaften den im Laufe der Kirchengeschichte gewachsenen Reichtum spezifischer Angebote für kranke (und „gesunde“) Menschen einbringen.

Einige „spezifische Elemente“ einer christlich fundierten Heilkunde (mit beispielhafter Erläuterung):

Anbetung Gottes

  • sich ausrichten auf die „Quelle des Lebens“
  • in liturgischen oder freien Formen
  • mit älteren oder neueren Liedern
  • mit Musik, Kunst, kreativer Gestaltung oder schlichtem Gebet

Agape-Gemeinschaft

  • Mitleben in heilender christlicher Gemeinschaft
  • erfahrbar z.B. in christlichen Hauskreisen, Zellgruppen, Besuchsdiensten, intensiver Gottesdienstgemeinschaft

Christlich-ganzheitliche Sicht der Krankengeschichte

  • diagnostische, therapeutische, prognostische Vorgaben reflektieren
  • Krankheitsverläufe und –krisen verstehen helfen mit ihren somatischen, psychosozialen und spirituellen Aspekten
  • Zusammenschau als Spiritu-Psychosomatik: Bedeutungskoppelungen? Lebensthemen? Heilungsprozesse?

Gottes Wort

  • es vermittelt umfassendes Heilwerden in der Beziehung zu Jesus Christus: Vergebung, Trost, Frieden, Glauben, Zuversicht…
  • Gottes Wort aufnehmen durch die Heilige Schrift, Predigt, Liturgie, Hörendes Gebet, verschiedene Geistesgaben

Einübung in die Wahrnehmung

  • Wahrnehmung von Körper – Seele – Geist, von Gott und Schöpfung
  • vielfältige Formen christlicher Meditation
  • christlicher Tanz, „soaking-prayer“
  • therapeutische Formen wie Bibliodrama, spirituelle Gestaltungstherapie

Gesundheitsfördernder Lebensstil

  • Stärkung des „Gesunden“ nach christlich-ganzheitlichen Maßstäben

Fürbitte für den Kranken, Seelsorge

  • Versöhnung mit der Krankheitsbiografie – Krankheitsverarbeitung
  • Heilungshindernisse erkennen und beseitigen helfen
  • Finale Diagnose: Ziele und Berufungen klären („wozu?“)
  • Biblisch trösten, Hilfen zur Leidverarbeitung

Heilungsgebet und Krankensalbung, Abendmahl / Eucharistie

  • die Gegenwart des „Heilandes“ in besonderer Weise erfahren
  • Pflegerisches, therapeutisches und ärztliches Handeln als „Werkzeug“ Gottes
  • christliche Mitarbeiter im Gesundheitswesen stellen ihr Wissen und Können Gott zur Verfügung
  • sie beten um Gelingen der Behandlungen, Ausbleiben mögl. Nebenwirkungen und Komplikationen sowie Gottes begleitenden Segen
  • die christliche Gemeinde segnet und sendet Mitarbeiter im Gesundheitswesen für ihren Dienst
  • Christliche Sterbebegleitung und Trauerarbeit

Christlich fundierte Heilkunde – Teil 1

Artikel: Christlich fundierte Heilkunde – wie lassen sich moderne pflegerische, therapeutische und medizinische Erkenntnisse verbinden mit dem kirchlichen Glaubens- und Erfahrungsreichtum?
von Dr. med. Georg Schiffner

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