Arznei kann auch gefährlich werden

22. Juni 2011   •   Kommentare deaktiviert für Arznei kann auch gefährlich werden   

Der Arzneimittelreport der Barmer GEK, der von Wissenschaftler des Zentrums für Sozialpolitik (ZeS) an der Universität Bremen erstellt wurde, warnt unter anderem vor falschem Medikamenteneinsatz.

Arznei kann auch gefährlich werdenDem Report zufolge bekommen Patienten immer öfter Arznei, die ihnen gefährlich werden kann. Konkret werden Demenzkranke genannt, denen sechsmal häufiger Neuroleptika (Beruhigungsmittel) als Patienten ohne Demenz verabreicht werden.

Dabei sei seit Jahren bekannt, dass Demenzkranke nach Einnahme von Neuroleptika eine 1,6- bis 1,7-fach erhöhte Sterblichkeitsrate gegenüber der Placebogruppe aufwiesen. Mehr als die Hälfte der Erkrankten mit der Pflegestufe III erhielten Neuroleptika, beklagte der Autor Professor Dr. Gerd Glaeske.

Oft würden sie außerhalb der zugelassenen Indikationen eingesetzt. Die Wirksamkeit der Therapie sei „teilweise nicht belegt“ oder nur sehr gering, die Langzeitfolgen „weithin ungeklärt“. Er wertete dies als „Gewalt gegen ältere Menschen“.

Beunruhigt zeigten sich die Experten auch über den Einsatz von bestimmten Schlafmitteln bei Alkoholkranken. Diese erhielten häufig beim Entzug und auch danach sogenannte Benzodiazepine. Die Mittel seien aber für eine längerfristige Behandlung ungeeignet, weil sie selbst zu einer Sucht führen könnten.

Zudem erlebten in Deutschland Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Novaminsulfon eine Renaissance, obwohl sie wegen der möglichen Nebenwirkungen wie Schock und Anämie in manchen Ländern verboten seien.

Erfreulicherweise rügte der Report ebenso wie der Artikel „Mythos Pille“ der Christlichen Krankenversicherung den Einsatz der Antibabypille. Gut 50 Jahre nach Einführung der zu unrecht gepriesenen Antibabypille sei die hormonelle Verhütung Standard. Regionale Erhebungen zeigen eine erschreckende Verbreitung. Je nach Region variiert die Verordnungsrate unter den 16- bis 19-jährigen Frauen zwischen 47 und 74 Prozent.

Umso fragwürdiger sei, dass viele neuere Präparate, auch Top-Seller, ein vergleichsweise hohes Thromboembolierisiko aufweisen. Frauen im gebärfähigen Alter, die keine Antibabypille einnehmen, haben dem Report zufolge ein Risiko von drei bis fünf Erkrankungen pro 100.000 Frauenjahre. Mit den Pillen der 2. Generation steigt das Risiko auf rund 20 pro 100.000 Frauenjahre.

Bei den neuesten Pillen der dritten Generation komme es nach aktueller Studienlage, aber bei gleich guter Wirksamkeit und Zuverlässigkeit, zu einer Verdopplung oder gar Verdreifachung des Risikos gegenüber den älteren Präparaten der zweiten Generation.

Pharmaexperte Glaeske erklärte hierzu: „Erprobte Pillen der zweiten Generation bleiben die Mittel der Wahl, bei allen anderen Pillen sind die Risiken höher oder schwer abschätzbar. „Klare Gegenanzeigen und Warnhinweise werden zu wenig beachtet. Von den 20 Antibabypillen, die in Deutschland am meisten verkauft würden, seien die Hälfte neuartige Mittel mit deutlich höherem Risiko, Thrombose und Embolie auszulösen. Als Produkte, die solche Gestagene enthalten, nennt der Report Lamuna, Nuvaring, Yasmin/Yasminelle. Sie wirkten nicht besser als die alten Pillen.

Die Christliche Krankenversicherung rät daher nochmals eindrücklich allen jungen Menschen. Lassen Sie sich nichts vom Zeitgeist oder der Pharmaindustrie einreden. Haben Sie den Mut Ihren Glauben zu leben und Ihre Werte mit Ihrem Partner zu teilen. Wählen Sie statt Hormonbomben natürliche Verhütungsmethoden in Verbindung mit einer Kultur der Enthalsamkeit bis zur Ehe.

Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass die Arzneimittelversorgung in Deutschland insbesondere im weltweiten Vergleich sehr gut ist. Insofern sollten Patienten sich durch solche Berichte nicht ängstigen lassen. Aber zur kritischen Wachsamkeit und im Falle der Pille zur Verhaltensumkehr wollen wir doch aufrufen.

Bild: © stock.xchng (SXC) michaelaw

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